
Contracting-Anbieter/Energiedienstleister
EnBW Contracting GmbH
Ansprechpartner: Dr. Florian Bertsch, Thomas Ullrich
E-Mail: f.bertsch@enbw.com, th.ullrich@enbw.com
Objektort
30926 Seelze (Hannover)
Projekt des Monats Juli 2026: Masterplan CO2-Reduktion am Chemiestandort in Seelze
Mit dem Projekt „Masterplan CO2 -Reduktion“ realisieren die Solstice Advanced Materials Inc. (vormals Honeywell Specialty Chemicals Seelze GmbH ) und die EnBW Contracting GmbH eine der umfassendsten Transformationen der Energieversorgung in der deutschen Chemieindustrie. Ziel war es, die CO2 -Emissionen der Medienversorgung ab Inbetriebnahme um 80 % zu reduzieren und den Standort bis 2035 auf eine klimaneutrale Produktion auszurichten.
Kern des Projekts ist ein integriertes Energiekonzept, das Wärmepumpentechnologie, die Nutzung produktionsbedingter Abwärme sowie ein Biomasse‑ bzw. Altholzheizwerk zur Grundlast‑Dampferzeugung intelligent kombiniert. Ein neues Heizwassernetz ermöglicht eine konsequente Reduktion des Dampfverbrauchs um ein Drittel („De -Steaming“) .Ergänzt wird dies durch ein neues, zentralisiertes Kühlwassernetz, das erstmals die systematische Nutzung von Abwärme mittels Wärmepumpe erlaubt und damit die Basis für eine hocheffiziente und flexible Medienversorgung schafft.
Die neue Energiezentrale, die die bisherige erdgasbefeuerte Gasturbinenanlage zur Dampferzeugung ersetzt, wurde im August 2025 schlüsselfertig in Betrieb genommen. Sie versorgt den Standort bedarfsgerecht mit Dampf, Warmwasser sowie Kalt – und Kühlwasser und basiert auf einem intelligent en und sektorenübergreifend en Versorgungssystem. Ergänzend wurde ein Holzheizwerk errichtet, in dem insbesondere Altholz der Klassen A1 und A2 zur CO2‑armen Dampferzeugung eingesetzt wird.
2. Platz beim Contracting Awards 2026


ECKDATEN DES PROJEKTS
Objektart
Industrie
Bestandsgebäude
GEG-Erfüllungsoption 2024
Elektrische Wärmepumpe
H2– und Biomasseheizungen

Inbetriebnahme
2025
Vertragslaufzeit
15 Jahre
Energieart
Dampf
Nahwärme
Kälte
Wärme
Warmwasser
Contractingart
Energieliefer-Contracting
Energieträger
Erdgas
Holz
Sonne
Abwärme
Anlagentechnik
Dampfkessel (21 MW)
Holzhackschnitzel (6 MW)
Kälteerzeugungsanlage (6 MW, 700 kW)
Wärmepumpe (1,7 MWth)
Biomasse -Dampfkessel (Holzhackschnitzel, 6 MWFWL): Grundlast -Dampfversorgung aus Holz hackschnitzeln und Altholz (A1/A2) zur substanziellen Substition fossiler Energieträger
Bivalente -Spitzenlastkessel (in Summe 21 MWFWL, H2-ready): Flexible Abdeckung von Lastspitzen und Ausfallsituationen; perspektivisch auch klimaneutral betreibbar.
Hocheffiziente Wärmepumpe (1,7 MWth, JAZ 3,7, Kältemittel R1234ze): Nutzung produktionsbedingter Abwärme aus zentralen Rückkühlsystemen zur Versorgung eines neu aufgebauten Niedertemperatur-Heiznetzes. Wärmepumpe erzeugt jährlich 11.500 MWh Heizwasser, gespeist unter anderem aus: 7.600 MWh recycelter Produktionsabwärme und 2.040 MWh PV -Strom
Zentralisierte Kälte- und Kühlwassererzeugung: Mit Kompressionskältemaschinen (6 MWth Kühlwasser, 700 kWth Kaltwasser) als Basis für Abwärmenutzung und Effizienzsteigerung.
Abwärme: Nutzung von rund 7.600 MWh/a Produktionsabwärme




Graphiken: © EnBW Contracting GmbH
Energieeffizienzmaßnahmen
Hydraulischer Abgleich
MSR/Gebäudeleittechnik
Umbau des Heizungsnetzes
Wärmeverteilung
Mediennetze : Rund 1.300 m neues Heizwassernetz und 400 m neu errichtetes Kühlwassernetz ermöglichen die konsequente De‑Steaming‑Strategie und senken den Dampfverbrauch um rund 33 %.
Digitales Leitsystem : Ein vorausschauendes Energiemanagementsystem steuert Wärme, Kälte, Dampf und Medien dynamisch – unter Berücksichtigung von Lastprofilen, Wetterdaten und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen.
Ergänzende Infrastruktur: PV‑Anlagen zur Eigenstromversorgung, moderne Abluftreinigungssysteme (Biofilter, RTO, Aktivkohle) sowie eine Notstromversorgung sichern Effizienz, Umweltverträglichkeit und Betriebssicherheit.



Bilder © EnBW Contracting GmbH
Investitionssumme
37 Mio. EUR
Förderung
BAFA-Förderung, 5 Mio. EUR
End-Energieverbrauch alt
Dampf 53.000 MWh/a
End-Energieverbrauch neu
Dampf 34.600 MWh/a
Einsparung
Die medienbedingten CO2‑Emissionen sinken um rund 16.000 Tonnen pro Jahr – eine Reduktion von etwa 80 % gegenüber der bisherigen fossilen Energieversorgung
ERFAHRUNGEN
Entstehungsgeschichte: Wie kam es zu der Entscheidung, die Maßnahmen mit Contracting umzusetzen? Wer war der Initiator des Projektes?
Das Projekt wurde innerhalb von 21 Monaten entwickelt und in den darauffolgenden 27 Monaten realisiert. In weniger als vier Jahren ab dem Erstkontakt im September 2021 konnten die Anlagen im Juli 2025 in Betrieb genommen werden. Die Anlagen wurden parallel zur Produktion am Standort aufgebaut. Es kam zu keiner ungeplanten Betriebsunterbrechung.
Seit August 2025 läuft der Regelbetrieb mit sechs Mitarbeiter:innen vor Ort für mindestens 15 Jahre bis Juli 2040.
Welche Faktoren haben die Entscheidung für Contracting begünstigt? Was waren die Motive des Kunden? Welche Hindernisse mussten überwunden werden?
Der zwischen Solstice Advanced Materials Inc. (ehemals Honeywell ) und der EnBW Contracting GmbH abgeschlossene Energieliefervertrag, der die Planungs-, Errichtungs – und Betriebsphase zeitlich umfasst, ist so konzipiert worden, dass beide Partner vom Projekterfolg profitieren – sowohl durch CO2‑Reduktion als auch durch wirtschaftliche Vorteile. Das schafft die Grundlage einer nachhaltigen und langfristigen Zusammenarbeit.
Mehrwerte neben der Energie(kosten-)einsparung?
Klare Risikoverteilung: Investitions, Betriebs‑, Brennstoff‑ und Technologierisiken wurden zwischen der EnBW Contracting GmbH und Solstice Advanced Materials Inc. (ehemals Honeywell) sachgerecht aufgeteilt.
Bonus-Malus-Regelung: Leistungsqualität, Verfügbarkeit und Effizienz werden messbar incentiviert.
Transparente Preisgestaltung: Alle Preisbestandteile, Indexierungsmodelle und Anpassungsmechanismen werden offen dargestellt.
Langfristige Kalkulationssicherheit: Preisgleitformeln, definierte Indexe, eine langfristige Vertragslaufzeit geben Kalkulationssicherheit.
Gemeinsame Governance-Strukturen: Regelmäßig tagende Steuerungs- und Projektausschüsse, definierte Eskalationsstufen.
Messbare Nachhaltigkeits- und Wirtschaftlichkeitsziele: CO2‑Minderungsziele und Energieeffizienzziele wurden von Anfang an vertraglich fixiert.
Partnerschaftlicher Betrieb: Betriebsführungsrechte, Dienstbarkeit, Verantwortlichkeiten und Qualitätsstandards sind klar geregelt.
Kurzes Resümee: Wie würden Sie das Projekt aus heutiger Sicht beurteilen? Was ist das Besondere an diesem Projekt?
Das Projekt verbindet hohe Versorgungssicherheit mit technologischer Innovationskraft und ist dank seines modularen Aufbaus skalierbar und auf zahlreiche weitere Industriebranchen übertragbar. Damit setzt es einen maßgeblichen Industriestandard für Dekarbonisierung, sektorübergreifende Energieeffizienz und flexible Medienversorgung.

© EnBW Contracting GmbH

