Parlamentarischer Abend der Wärmewende

12.12.2025 | Parlamentarischer Abend der Wärmewende

Am 03. Dezember fand unser parlamentarischer Abend in Berlin statt. Wir bedanken uns bei allen Gästen, den Expert:innen der Wärmewende und den anwesenden Mitgliedern des Bundestages herzlich. Der Austausch war offen, konstruktiv und geprägt von dem gemeinsamen Willen, die Wärmewende endlich ins Tun zu bringen.

Tobias Dworschak, unser Vorsitzender des Vorstandes, eröffnete den Abend mit einem Impuls zur Wärmewende.

Denn: Wärme ist Verantwortung. Die Wärmewende ist nicht nur ein rein technisches Projekt. Sie ist vor allem ein politisches, ein soziales und ein zutiefst menschliches Projekt.

Politik und Gesellschaft reden viel über unsere Ziele bis 2045 – über Klimaziele, den Netzausbau und Effizienz. Viel zu selten aber wird über das gesprochen, was politische Entscheidungen auslösen: nämlich Vertrauen darin, dass Wärme bezahlbar bleibt, und Sicherheiten für Investitionen, die 30 oder 40 Jahre wirken sollen.

Damit wird deutlich, worauf es nun ankommt: Zukunft entsteht aus den Entscheidungen, die wir heute treffen, aus jedem einzelnen Wärmeliefervertrag den wir heute abschließen und aus jedem Gebäude, das wir effizient mit erneuerbarer Wärme versorgen.
Zukunft entsteht aus Entscheidungen und Verantwortungen – und gerade in der Energiepolitik auch aus einer gehörigen Portion Mut, bestehende Routinen zu verlassen. 

Im Anschluss hielt Oliver Bornkamm, Referatsleiter “Zielgruppenbezogene Gebäudestrategien” (IIA4) im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, einen Impulsvortrag, der die zentrale Bedeutung der zukünftigen Wärmeversorgung in den Fokus stellte. Er betonte, dass der Umbau der Wärmeversorgung im Gebäudebereich ein entscheidender Baustein sei, um Klimaschutz voranzubringen und zugleich die Wärmekosten für Bürgerinnen und Bürger langfristig stabil zu halten.

Bornkamm gab anschließend einen Überblick über die aktuellen Überlegungen und Maßnahmen aus dem Ministerium. Mit Blick auf das Bundesförderprogramm für effiziente Gebäude (BEG) unterstrich er dessen weiterhin große Rolle für den Klimaschutz und die energetische Transformation im Gebäudesektor.

Auch zur Weiterentwicklung des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) äußerte sich Bornkamm: Die Arbeiten an der Umsetzung der im Koalitionsvertrag festgelegten Novellierung liefen auf Hochtouren. Ergänzend verwies er auf den CO₂-Preis bzw. das neue Emissionshandelssystem ETS2. Dieses sei ein zentrales marktbasiertes Steuerungsinstrument, das zusätzliche Anreize für Sanierungen und den Ausbau erneuerbarer Energien schaffen solle – flankiert durch sozialpolitische Maßnahmen, um Belastungen abzufedern.

Einen besonderen Schwerpunkt legte Bornkamm auf die Rolle des Contractings. Er sehe darin einen Schlüsselfaktor, um die kostenintensive Wärmewende praktisch umzusetzen und in die breite Anwendung zu bringen. Contracting könne insbesondere dort unterstützen, wo Investitionen ansonsten schwer darstellbar seien.

Abschließend ging er auf die aktuellen Arbeiten an der Novellierung der WärmeLV sowie der AVBFernwärmeV ein. Ziel sei es, einen attraktiven Investitionsrahmen und zugleich verlässliche rechtliche Bedingungen für alle Beteiligten zu schaffen.

Seinen Impuls schloss Bornkamm mit drei offenen Fragen an die Branche, die die anschließenden Gespräche maßgeblich prägten:
1. Wie können wir bestehende Contracting-Angebote in eine breite Anwendung bringen?
2. Wie sehen Sie die kommunalen Unternehmen und Stadtwerke in diesem Bereich aufgestellt?
3. Wie kann Contracting gezielt auch vulnerablen Gruppen zugänglich gemacht werden?

Auf die Impulsvorträge von Oliver Bornkamm und Dr. Corinna Fischer folgte eine Diskussion zu drängenden Fragen der derzeitigen Energiepolitik. Diese Diskussionsrunde führten die Mitglieder des Bundestages Dr. Alaa Alhamwi (Bündnis 90/Die Grünen), Violetta Bock (Die Linke), Nicklas Kappe (CDU) und Helmut Kleebank (SPD).

Die Diskutant:innen teilten Anregungen und Einschätzungen zur Novellierung des GEG sowie zu weiteren zentralen Baustellen der Wärmewende, von der sozialen Ausgestaltung über die Kostenfragen bis hin zur notwendigen Transparenz bei Preisen. Besonders die Hinweise zur gemeinsamen Überarbeitung von AVBFernwärmeV und WärmeLV, zur Stärkung von Schlichtungsmechanismen waren wertvolle Impulse, die wir in unsere Arbeit einfließen lassen. Im Anschluss an die Diskussion hatte das Publikum die Gelegenheit, sich aktiv in den Austausch einzubringen.

Besonders wertvoll: Die Fishbowl hat genau das ermöglicht, was sie soll: ein Gespräch auf Augenhöhe, bei dem Politik, Branche und Publikum gemeinsam in die Debatte einsteigen konnten.
Klar ist: Es braucht verlässliche Regeln und mehr Klarheit für Investitionen. Viele der angesprochenen Punkte müssen jetzt in die Umsetzung:

Eckpunkten zum GEG zeitnah präsentieren
Erneuerbare Energien in der WärmeLV anerkennen
Positives Investitionsklima durch die AVBFernwärmeV entfalten
Wärmewende sozialgerecht umsetzen
Vertrauen in den Wärmemarkt durch mehr Transparenz stärken

Die Branche ist bereit. Wir wissen, wie Versorgung funktioniert. Was wir jetzt brauchen, ist ein politischer Rahmen, der Verantwortung ermöglicht und Orientierung gibt.
Fotos: © Thomas Rosenthal


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