
Contracting-Anbieter/Energiedienstleister
naturstrom AG
Ansprechpartnerin: Inge Maltz-Dethlefs
Tel.: +49 40 3344378-119
E-Mail: vorortenergie@naturstrom.de
Objektort
73262 Reichenbach a.d. Fils
Projekt des Monats Januar 2024: Grünes Leben am Schafhaus
In Reichenbach an der Fils (Baden-Württemberg) entstehen in einem Neubauquartier 41 Einfamilien- und Doppelhaushälften als Musterbeispiel für nachhaltiges und energieeffizientes Bauen. Im Auftrag der verantwortlichen Projektentwicklungsgesellschaft EcoShare Solutions GmbH konzipieren, projektieren und bauen wir ein kaltes Nahwärmenetz zur Versorgung mit erneuerbarer Wärme aus oberflächennaher Geothermie und Wärmepumpen.
Das Energiekonzept besteht aus einer zentralen Wärmeversorgung über ein kaltes Nahwärmenetz, das über einen oberflächennahen Geothermie-Kollektor gespeist wird.
Die Temperaturen im Netz liegen im Jahresmittel zwischen 8 und 10°C – deshalb bezeichnet man es als „kaltes Nahwärmenetz“. In den Gebäuden erfolgt die Wärmebereitung dezentral inklusive Warmwasserbereitung mittels Wärmepumpen, die mit PV-Strom und Strom aus dem Netz betrieben werden.
Im Sommer wird über einen Bypass in der Wärmepumpe eine sogenannte passive Temperierung in den Gebäuden ermöglicht. Dadurch steigt der Wohnkomfort und das Erdkollektorfeld kann sich besser regenerieren.
Auf den Dächern der Gebäude werden Photovoltaik-Anlagen errichtet. Der dort erzeugte Strom kann von den Hauseigentümer:innen in den eigenen vier Wänden genutzt werden und trägt somit zum Entstehen eines Plus-Energie-Quartiers bei.

ECKDATEN DES PROJEKTS
Objektart
Wohnen
Neubau
GEG-Erfüllungsoption 2024
Elektrische Wärmepumpe
Wärmenetzanschluss
Welche Art von Unternehmen waren beteiligt?
Ingenieur-/Planungsbüro
Heizungsinstallateur
Sonstige:
EcoShare Solutions GmbH
Terra Asset Management GmbH
Fläche & Anzahl der Gebäude
41 Einfamilien- und Doppelhaushälften
Inbetriebnahme
2022
Vertragslaufzeit
10 Jahre
Energieart
Kälte
Wärme
Contractingart
Betriebsführungs-Contracting
Energieträger
Geothermie
Sonne
Strom
Anlagentechnik
PV-Anlage
Wärmepumpe (300 kW)

Förderung
u.a. Energieeffiziente Wärmenetze (Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg)
End-Energieverbrauch neu
353 MWh
Einsparung
646 Tonnen (im Vergleich zur Vollversorgung durch einen Erdgas-Kessel)
ERFAHRUNGEN
Entstehungsgeschichte: Wie kam es zu der Entscheidung, die Maßnahmen mit Contracting umzusetzen? Wer war der Initiator des Projektes?
Aufgrund der sensiblen Lage des Neubaugebietes (ehemalige Streuobstwiese) hat die Gemeinde Reichenbach a. d. Fils im städtebaulichen Vertrag mit dem Projektentwickler eine nachhaltige Wärmeversorgung festgeschrieben. Der Projektentwickler ließ sich ein erstes Energiekonzept erstellen, suchte dann einen Partner für die Umsetzung und entschied sich für naturstrom.
Welche Faktoren haben die Entscheidung für Contracting begünstigt? Was waren die Motive des Kunden? Welche Hindernisse mussten überwunden werden?
Der Projektentwickler war aufgrund der Innovation (kalte Nahwärme war 2018 noch nicht so verbreitet) von Anfang an von dem Konzept überzeugt. Ursprünglich war auch eine Stromkundenanlage geplant, auf die jedoch nach Rücksprache mit dem Netzbetreiber verzichtet wurde. Der Erdwärmekollektor liegt in einem Heilquellenschutzgebiet, das sich über zwei Landkreise erstreckt, daher waren auch zwei wasserrechtliche Genehmigungen erforderlich. Aufgrund der offenen Bauweise des Erdwärmekollektors (3.900 m2) wurde ein Bodenmanagementkonzept als Auflage festgelegt.
Mehrwerte neben der Energie(kosten-)einsparung?
„Gerade im Neubaubereich müssen gemäß Energieeinsparverordnung Primärenergieanforderungen eingehalten werden, die wir mit diesem Konzept vorbildlich erfüllen. Die Nutzung der geothermischen Quelle stabilisiert die zukünftigen Wärmekosten der Verbraucher:innen. Darüber hinaus ermöglicht das System die Temperierung von Gebäuden, was bei trockeneren und heißeren Sommern an Bedeutung gewinnen wird.“ (Dr. Sarah Debor, Geschäftsfeldleiterin Urbanes Wohnen & Gewerbe bei der naturstrom AG)
Kurzes Resümee: Wie würden Sie das Projekt aus heutiger Sicht beurteilen? Was ist das Besondere an diesem Projekt?
Das kalte Nahwärmenetz wird passiv, d.h. ohne Einsatz einer Netzpumpe betrieben. Die Erdkollektorfläche wird weiterhin landwirtschaftlich als Viehweide genutzt. Besonders hilfreich ist das funktionierende Zusammenspiel von Behörden, Gemeinde, Projektentwickler und Versorger.

